Der Weg zur Selbstorganisation – Teil 2

Wie bereits im ersten Blogpost unserer OrgDev-Serie erwähnt, haben wir über die letzten Jahre ein eigenes Modell für die Selbstorganisation entwickelt. In diesem Blogpost erzählt Valentina Scherwey von dem ersten Element im Modell – der Branch.

Im Teil 1 dieser Serie erzählte uns Martin Gafner von den ersten Schritten in die Selbstorganisation. Wie wir das Modell mit dem Element Branch weiterentwickelt haben, liest du in dieser Serie.

Bereichsübergreifende Themen

Das Format “der Branch” entstand einerseits durch das Bedürfnis mehr und spezifische Zeit in bereichsübergreifende Themen zu investieren, die nicht mit einer Auftragslage verbunden sind. Zum anderen sollten die Members die Möglichkeit haben, sich in Themen ausserhalb der Auftragsverantwortung aktiv und gezielt einzubringen. So wurde eine einheitliche Form der Sekundärorganisation, der Branch, gegründet. Der Branch beschreibt die Zusammenarbeit von Members innerhalb der Aufbauorganisation von Puzzle und ersetzt die bisherigen unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit (Arbeitsgruppen, Teams, Kernteams, Organisationskomitees). Davon ausgenommen sind Funktions- sowie Geschäftsbereiche als Elemente der Primärorganisation.

Begriffsfindung

Die Begriffsfindung wurde im 2018 durch eine Abstimmung unter den Members entschieden. Die Voraussetzungen für den Begriff waren Verständlichkeit und Einfachheit. Zudem sollte der Begriff zu den unterschiedlichen Arten der Einheiten und der Kultur von Puzzle passen.

Der Begriff Branch stammt einerseits aus der Natur, wobei die Metapher der Äste die verschiedenen Themen sowie Gefässe bei Puzzle symbolisieren sollen. Zudem wurde die Begriffsfindung aus der Software Entwicklung inspiriert, wo im Versionskontrollsystem “git” an Branches gearbeitet werden.

Gründung eines Branches

Damit ein Branch ins Leben gerufen werden kann, wurden folgende Voraussetzungen zur Gründung definiert:

  1. Branch oder anderes Gefäss:

    • Das Thema wird nicht in einem anderen Gefäss bearbeitet.
    • Die Idee ist bereichsübergreifend.
    • Das Thema läuft kontinuierlich und stellt ein langfristiges Anliegen dar.
  2. Sinn für Puzzle:

    • Ein Branch ergibt für die Gesamtorganisation von Puzzle Sinn. Um diesen zu bestimmen, kommt der Advice-Prozess zum Einsatz: Bevor ein Branch gestartet werden kann, muss ein Austausch mit mindestens zwei anderen Puzzlern (oder Branches) erfolgen, welche entweder von den Branchtätigkeiten direkt betroffen sein werden oder für den Branch notwendiges Expertenwissen haben.
  3. Sinn für Individuum:

    • Genügend Members arbeiten beim Branch mit und können entsprechende Kapazität einsetzen, um das Thema vorwärtszubringen.
    • Es finden sich genügend Members, welche die unterschiedlichen Rollen wahrnehmen können.
  4. Budget-Freigabe:

    • Die Budget-Freigabe erfolgt nach dem selbstorganisierenden Prinzip. Jedes Jahr wird ein definiertes Stunden-Budget für das Arbeiten in Branches zur Verfügung gestellt. Es können solange neue Branches gegründet werden wie Budget verfügbar ist.

Aktuelle Branches

So transformierten wir im Jahr 2018 das erste interne Projekt OrgDev (Organisation Developement) zu einem Branch. Im Verlaufe der Zeit haben sich weitere Branches entwickelt. Welche das sind, liest du im nächsten Blogpost.

Branch-Organisation

Charta

Jeder Branch ist durch eine Charta definiert, welche den Zweck, die Grenzen und die Vereinbarungen des Branches beschreibt.

Rollen

In einem Branch werden folgende Rollen verteilt, wobei ein Branchmember auch mehrere Rollen innehaben kann. Jeder Member trägt zur Erarbeitung der Branch-Produkte bei und ist bei Entscheiden sowie deren Umsetzung involviert. Die Branch-Members hinterfragen regelmässig, was sie beim Branch beitragen können.

Branch Owner

Die Rolle “Branch Owner” ist für die Eigenschaften der “Produkte” verantwortlich, die ein Branch erzeugt. Die Person erstellt, priorisiert und erläutert die zu entwickelnden Produkteigenschaften und ist für die Einhaltung des Budgets zuständig. Weiter ist sie dafür verantwortlich, dass alle Rollen im Branch einem Branch Member zugewiesen sind sind.

Branch Driver

Der Branch Driver organisiert die Termine des Branches und stellt sicher, dass die definierten Branch-Prozesse eingehalten werden. Die Person kümmert sich um die Behebung von Störungen und Hindernissen. Dazu gehören mangelnde Kommunikation in der Zusammenarbeit, persönliche Konflikte im Branch-Team sowie Störungen von aussen.

Branch Communicator

Die Rolle des Branch Communicators stellt sicher, dass Entscheide nachvollziehbar dokumentiert werden. Die Person sorgt zudem dafür, dass regelmässig Inhalte über die Tätigkeiten des Branches publiziert werden.

Branch Integrator

Der Branch Integrator stellt den Austausch mit anderen Branches sowie Gremien sicher.

Branch Coach

Die Rolle “Branch Coach” berät der Branch bei Fragen und informiert ihn über Neuerungen rund um OrgDev-Prozesse sowie -Werkzeuge. Zudem sammelt er Erfahrungen aus dem Branch und trägt diese zum OrgDev-Branch zurück.

Branch für Primärorganisation?

Nach und nach konnten wir Erfahrungen mit dem Element Branch, welche ausschliesslich für bereichsübergreifende Themen und ohne Auftragslage galt, sammeln. In einem weiteren Schritt wollten wir prüfen, ob wir das Branch-Modell auch für die Primärorganisation nutzen könnten. Jedoch war eine solche Erweiterung “Branch mit Auftragsverantwortung” begrifflich zu wenig abgrenzbar und könnte zu Missverständnisse führen. Aus diesem Grund entwickelten wir ein weiteres selbstorganisierendes Element: die “Division”.

Was eine Division ist und wie sie gegründet wird, erfährst du später in dieser Serie. Doch vorerst werden wir die Branches in der Praxis und somit die Umsetzung der Branches bei Puzzle anschauen. Sei gespannt!

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