Geschäftsmodelle mit Open Source – Rückblick zur DINAcon 2020

Im Jahr 2020 gehört es schon fast zur Selbstverständlichkeit, dass Events abgesagt oder auf eine virtuelle Plattform verschoben werden. Unter diesem Stern stand auch die diesjährige DINAcon in ihrer vierten Ausführung. Gerade bei diesem Event war ich betreffend einer virtuellen Durchführung sehr skeptisch. Da ich den informellen Austausch mit den spannenden Teilnehmenden in den letzten Jahr sehr genossen habe. Doch ich wurde sehr positiv überrascht. Wieso? Das erzähle ich euch in diesem Blogpost.

Wie es sich für eine nachhaltige Konferenz gehört, liefen die Keynotes und Sessions über die Open Source Plattform Big Blue Button. (CH Open betreibt übrigens eine eigene Instanz: https://bbb.ch-open.ch/). Zu den Konferenz-Highlights gehörten definitiv die hochkarätigen und viel gefragten Keynotes: Bianca Hoersch, Chief Digital Officer der European Space Agency berichtete, weshalb ihr Unternehmen auf Open Source basiert und welche Daten sie veröffentlichen können. Mathias Wellig, Geschäftsführer von ubique.ch und Information Security Specialist, sprach über seine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Bund bei der Entwicklung der SwissCovid App.

Geschäftsmodelle mit Open Source

Ich selbst durfte die Session „Geschäftsmodelle mit Open Source – Eine offene (Experten-)Runde” bestreiten. Mein Ziel war es, keine monotone Präsentation zu zeigen, sondern eine Diskussionsrunde mit Experten und Interessierten zu gestalten. Nach einer kurzen Begrüssung folgte ein Input aus der Forschung zum Thema Open Source Geschäftsmodelle von Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit. Im  anschliessenden Panel stellten Peter Balsiger (Red Hat), Bastian Widmer (amazee.io), Adrian Zimmermann (snowflake productions) und ich unsere Geschäftsmodelle mit dem Fokus auf Open Source vor. In kurzen Slots beantworteten die Panelteilnehmenden folgende Fragen:

  • Was bieten wir mit oder basierend auf Open Source an? (Key Activites)
  • Was sind unsere Kostentreiber? (Cost Structure)
  • Wie finanzieren wir unser Geschäftsmodell? (Revenue Stream)

Spätestens nach den kurzen Inputs war klar, dass ein Geschäftsmodell mit Open Source möglich ist – sehr gut möglich. Die Kernaktivitäten sind bei den gezeigten Beispielen vergleichbar. Es werden hauptsächlich  Dienstleistungen rund um oder mit Open Source Software angeboten. Dies meistens direkt für Business-Kunden. Kostentreiber sind – wie in der Dienstleistungsbranche üblich – die Personalkosten. Infrastruktur, Software und Betrieb sind weitere Kosten, die regelmässig anfallen.
Finanzieren können sich Organisationen mit einem Open Source Geschäftsmodell durch ganz unterschiedliche Finanzströme: Oft werden individuelle Kundenprojekte angeboten. Mittels Beratung wird Wissen über Technologien oder Produkte weitergegeben. Durch SLA’s, Wartungsverträge und weitere Verträge können auch wiederkehrende Erträge sichergestellt werden. Dabei werden Supportleistungen, Weiterentwicklung, Garantien und nachhaltige Lösungen sichergestellt. Besonders eine nachhaltige Open Source Lösung sollte ein sehr grosses Interesse seitens Kunde auslösen. Dies stellt sicher, dass die geschäftskritische Lösung einen langfristigen Produktlebenszyklus besitzt.

Matthias Stürmer: „No one has been fired for buying open source software.”

Ein Geschäftsmodell auf Open Source aufzubauen braucht sicher eine Portion Mut. Die Session zeigte aber auch, dass nicht nur die Software offen ist, sondern auch die Organisationen und Personen dahinter gerne und transparent über ihre Erfahrungen Auskunft geben. Die ganze Session wurde aufgezeichnet und kann nachgeschaut werden.

DINAcon Awards

Weitere 14 verschiedene Sessions lieferten an der DINAcon spannende Inputs von nachhaltiger Beschaffung, digitaler Partizipation von Bürgern, virtuellen Parlamenten oder dem Umgang mit Open Data. Natürlich war auch die Verleihung der diesjährigen DINAcon Awards an sechs herausragende Projekte und Akteure ein Höhepunkt. Ausgezeichnet wurden das jOSM Public Transport Plugin, das Datenportal Basel-Stadt, Proximity Tracking DP3T, The Document Foundation für LibreOffice, die Eclipse Foundation und Lernen wie die Profis.

Die ganze Konferenz vom 23. Oktober 2020 kann im Youtube-Stream nachgeschaut werden. Auch die Session-Aufzeichnungen sind öffentlich verfügbar. Bei Interesse findest du sie in den jeweiligen Session Beschreibungen als Videolink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.