Der LinuxTag im neuen Gewand

Lukas Kallies

Lukas Kallies war für Puzzle am LinuxTag in Berlin. Sein Interesse galt besonders den Themen iPXE, der Linux-Kernel-Entwicklung, kdbus, OpenStack auf echter Hardware und LVM Erweiterungen.

Der LinuxTag gilt als ein wichtiger Treffpunkt der Community und steht unter dem Motto „where .com meets .org“. Nach einigen Umzügen von Kaiserslautern über Stuttgart, Karlsruhe und Wiesbaden fand er zum achten Mal in Berlin statt. Jedoch waren Standort und die Parallelveranstaltung droidcon und re:publica ein Novum.

Die üblichen Verdächtigen

Neben der üblichen Ausstellung gab es die ebenso üblichen Vorträge,
aufgeteilt in diverse Tracks. Von der allgegenwärtigen Cloud über Konfigurationsmanagement und den Linux-Kernel bis zum „Linux Dream Job“ war alles vertreten.

Neben vielen interessanten Projekten und Vorträgen galt mein Interesse in diesem Jahr besonders fünf Themen: iPXE, der Linux-Kernel-Entwicklung, kdbus, OpenStack auf echter Hardware und LVM Erweiterungen.

Erweiterungen am Logical Volume Manager (LVM)

Alasdair G. Kergon stellte seine Erweiterungen am LVM vor. Der sperrige Titel des Vortrags “Thin Provisioning and Caching on SSDs using LVM and
Device-mapper”
und ungewohnte Flags (z.B. k für skip) tun der Nützlichkeit keinen Abbruch. So wird es zukünftig möglich sein – und das
wiederum sagt der Titel aus – einzelne logical Volumes via Thin Provisioning zur Verfügung zu stellen. Das heisst, dass der Speicher
eines Volumes erst dann beansprucht wird, wenn auch wirklich Daten geschrieben werden. Diese Verfahren ermöglicht wiederum platzsparende
Snapshots.

Des Weiteren kann zusätzlich eine Spiegelung der Daten (-m) innerhalb der Volumegroup (vg) erfolgen. Diese Spiegelung lässt sich
entfernen und z.B. nach einem Backup wieder hinzufügen – sofern man beim Trennen den Parameter—trackchanges verwendet hat. Das erwähnte Caching
auf SSDs wird mittels Cachepools erreicht, die sich an LVs binden lassen. So kann die Schreib- und Leseperformance gesteigert werden, ohne
dass alle Daten auf SSDs geschrieben werden müssen.

iPXE vs. gPXE

Schlomo Schapiro zeigte, wie man sich in grossen Umgebungen iPXE zunutze machen kann und welche Vorteile diese Firmware gegenüber gPXE bietet (iPXE ist aus gPXE entstanden, welches wiederum aus Etherboot hervorging). iPXE bietet viele Möglichkeiten, die PXELINUX zumindest nicht von Hause aus mitbringt. So lässt sich direkt von einem Webserver, via WiFi oder iSCSI booten. Zudem lassen sich leicht Konfigurationen vornehmen und Aufgaben erstellen, die man nicht direkt mit einem Netzwerkboot in Verbindung bringt. So beispielsweise die Inventarisierung von Servern.

E-Mails und der Linux-Kernel

Greg Kroah-Hartman zeigte in seiner fesselnden Keynote “The Linux kernel, how it is developed, and how we stay sane doing it” vor allem
eines: Es macht Spass am Linux-Kernel mitzuwirken! Nebst der Tatsache, dass Zahlen nicht trocken sein müssen, wies Greg darauf hin, dass einem schon fünf Kernel-Patches einen Job bescheren können und dieser es wiederum ermöglicht als Linux-Kernel-Entwickler die Welt zu bereisen. Sein Job bestehe zwar hauptsächlich aus dem Bearbeiten von E-Mails, dennoch hat man Zeit für seine Familie – arbeitet man doch Zuhause und nimmt die Familie mit auf Reisen.

Apropos E-Mails: über dieses Medium – so konnte man lernen – läuft jede Anpassung am Linux-Kernel. Systeme wie Github seien zu umständlich für solche grossen Projekte mit tausenden Entwicklern wie der Linux-Kernel. Git alleine arbeitet wunderbar mit dem Medium E-Mail zusammen.

kdbus – Neue Interprozesskommunikation für den Linux-Kernel

Lennart Poettering zeigte mit kdbus eines seiner neuesten Projekte. kdbus greift das dbus-Prinzip auf und ist einfach gesagt eine
kernelbasierte Reimplementation dessen. kdbus soll die Limitationen von dbus aufheben. So arbeitet es effizienter, da weniger Kopien des Inhalts
benötigt werden, kann Gibibytes an Daten verarbeiten, Timestamps setzen und ist immer verfügbar (vom Boot des Systems bis zum Shutdown). Auch
der Userspace wird durch die Vermeidung von XML vereinfacht. In Poettering’scher Manier (vgl. systemd) ist kdbus Linux-spezifisch. dbus
wird für andere Kernel und Systeme also erhalten bleiben. Auch Android wird Binder behalten, da (k)dbus das IPC Queueing via RAM und nicht via
CPU abwickelt.

OpenStack auf echter Hardware

Über den Wolken bewegte sich der Vortrag von Devananda van der Veen. Er zeigte unter dem Titel “Bare Metal provisioning in OpenStack” wie “echte
Hardware” mittels Ironic (sic!) für OpenStack verwendet werden kann. Dazu wird an einem Server lediglich das Onboard-Management-Interface (IPMI) konfiguriert und bekannt gemacht. Danach kann eine OpenStack-Instanz via DHCP und PXE gebootet werden. Somit wird OpenStack für rechenintensive (HPC) Bereiche interessant, in denen der Overhead einer Virtualisierungsumgebung vermieden werden soll – ohne dabei die Vorteile flexibler Zuweisung zu verlieren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, das der LinuxTag auch in diesem Jahr wieder die Leute zusammen gebracht hat. Es fand ein reger Austausch
zwischen den Projekten, Unternehmen und Entwicklern und Interessierten statt. Die Parallelveranstaltungen droidcon und re:publica und
der Wechsel der Location brachten einen frischen Wind in die Veranstaltung – wenngleich der Austausch zwischen den Teilnehmen und die
Abstimmung der Timelines hätte besser sein können. Man kann jedoch davon ausgehen, dass dies mit dem LinuxTag 2015 weiter verbessert wird und
auch die Wände zwischen den Vortragsräumen mehr Schall schlucken, damit das Vortragspublikum ungehindert zuhören kann.

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