20. November 2024

Platform Engineering: Ein holistischer Ansatz für eine zukunftssichere IT

Platform Engineering vereint technische Exzellenz und kulturellen Wandel, um Plattformen effizient, skalierbar und benutzerfreundlich zu gestalten. Standardisierte Services und der «Platform-as-a-Product»-Ansatz optimieren die Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Betrieb. Dabei ist Platform Engineering eine individuelle Reise, die jedes Unternehmen selbst gestalten und gehen kann. Im Fokus steht die Developer Experience: Mit sogenannten Portals und UX-Prinzipien können intuitive und produktive Arbeitsumgebungen für Entwickler:innen entstehen.

DevEx
Platform Engineering
Kubernetes
Build-CI
GitOps
Observability
Security & Compliance
Developer Experience
Visual Platform Engineering

Die Anforderungen an die IT haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert: Entwickler:innen stehen unter Druck, in kürzerer Zeit mehr zu leisten. Gleichzeitig erfordert die zunehmende Komplexität von Systemen eine klare Strukturierung und Standardisierung. Genau hier setzt Platform Engineering an.

Was ist Platform Engineering?

Platform Engineering standardisiert und integriert häufig genutzte Fähigkeiten und Services, um Teams durch Self-Service-Lösungen zu entlasten. Ein zentrales Werkzeug dafür können sogenannte Portals sein, wobei Platform Engineering über technische Lösungen hinaus geht: Es bedeutet auch einen Mindset-shift hin zu «Platform-as-a-Product», der die gesamte Organisation effizienter macht.

Platform Engineering sorgt für klare Verantwortlichkeiten, reduziert Abhängigkeiten und schafft Raum für mehr Effizienz und Innovation. Entwicklerteams können sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, während standardisierte Prozesse und zentrale Komponenten – unterstützt durch Portals – die kognitive Belastung und den Betriebsaufwand minimieren.

Die Meta-Ebene: Mindset-Shift und strategische Einbindung

Platform Engineering beginnt nicht mit der Implementierung von Tools, sondern mit einem grundlegenden Wandel im Denken. Eine Plattform ist nicht nur ein technisches Konstrukt, sondern ein strategischer Bestandteil des Unternehmens. Um erfolgreich zu sein, müssen Plattform-Initiativen als dauerhafter Teil der Unternehmensstrategie eingeplant werden – organisatorisch und finanziell.

Platform Engineering ist ein Mindset für die gesamte Organisation:

  • Vom Projekt zum Produkt: Die Plattform wird als Produkt betrachtet, das an den Bedürfnissen der Entwickler:innen ausgerichtet ist.
  • Fokus auf Zusammenarbeit: Enge Verzahnung von Entwicklung und Betrieb schafft Synergien, die die Wertschöpfung fördern.
  • Effizienz und Skalierbarkeit: Wiederverwendbare Komponenten und standardisierte Prozesse reduzieren Komplexität und schaffen Flexibilität.

Langfristige Perspektiven sind dabei entscheidend. Regelmässige Weiterentwicklung, kontinuierliche Anpassung an neue Anforderungen und die enge Einbindung aller Stakeholder machen die Plattform zu einem lebendigen, strategischen Bestandteil des Unternehmens. Der Erfolg von Platform Engineering hängt von diesem ganzheitlichen Ansatz ab, der technische, organisatorische und kulturelle Elemente miteinander verbindet.

Die technischen Pfeiler – Basis für Effizienz

Platform Engineering basiert bei Puzzle ITC auf sechs zentralen Pfeilern, die eng miteinander verzahnt sind und jede Plattform-Initiative stützen. Diese Pfeiler schaffen die Grundlage für effiziente, skalierbare und sichere Plattformen:

  1. Kubernetes: Das Herzstück moderner Plattformen, das Skalierbarkeit, Flexibilität und Automatisierung ermöglicht.
  2. Security & Compliance: Sicherheit von Anfang an – automatisiert und standardisiert, ohne die Agilität einzuschränken.
  3. GitOps: Konsistenz und Automatisierung in der Infrastrukturverwaltung durch klare Prozesse und Nachvollziehbarkeit.
  4. Build-CI: Effiziente, wiederverwendbare Pipelines, die schnelle und sichere Software-Releases ermöglichen.
  5. Observability: Transparenz und Monitoring, um Probleme frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Die Pfeiler ergänzen sich, um eine ganzheitliche Plattform zu schaffen: Kubernetes ermöglicht die Automatisierung und Orchestrierung, während Security und GitOps die Grundlage für Stabilität und Nachvollziehbarkeit legen. Build-CI sorgt für Geschwindigkeit und Konsistenz in der Softwareentwicklung, und Observability liefert die Transparenz, die für fundierte Entscheidungen notwendig ist.

Pfeiler 6: Developer Experience: Devs Happy machen!

Mit einer guten Developer Experience (DevEx) hebt man seine Plattform-Initiative auf das nächste Level, indem Devs ins Zentrum gestellt und als Kund:innen betrachtet werden. Bei Puzzle greifen wir auf die langjährige Erfahrung unserer User Experience-Spezialist:innen von we are cube³ zurück, um Plattformen nutzerzentriert zu gestalten, Painpoints zu identifizieren und die Bedürfnisse aller Stakeholder zu berücksichtigen.

So verbessert UX die DevEx:

  • Fokus auf Nutzerbedürfnisse: UX-Methoden wie User Research und Prototyping helfen, spezifische Anforderungen von Entwickler:innen zu verstehen und Plattformen entsprechend zu gestalten.
  • Intuitive Arbeitsabläufe: Konzepte aus UX-Design und User-Journey Analyse führen zu klaren Navigationsstrukturen und reduzierter Komplexität. Dadurch verbessern sich die Effizienz und kognitive Belastungen werden minimiert.
  • Ganzheitliche Gestaltung: UX betrachtet das gesamte Erlebnis – von der Funktionalität bis zur visuellen Gestaltung. Diese umfassende Betrachtung sorgt auch bei DevEx dafür, dass Tools und Plattformen leistungsfähig und angenehm zu nutzen sind.

Während UX die konzeptionellen Grundlagen für eine bessere DevEx schafft, können unter anderem Portals als technisches Werkzeug die praktische Umsetzung einer nutzerzentrierten Plattform ermöglichen.

Visual Developer Experience

Portals: Technisches Werkzeug für bessere DevEx

Portals sind ein wichtiges technisches Werkzeug im Platform Engineering, welche die Prinzipien von DevEx unterstützen. Sie bieten Entwickler:innen eine zentrale Anlaufstelle, um auf Plattform-Ressourcen, Self-Service-Funktionen und Automatisierungs-Tools zuzugreifen. Portals erleichtern die Navigation durch komplexe Plattformen, bündeln Informationen und ermöglichen effiziente Workflows. Mit UX-Methoden gestaltet, werden Portals zu benutzerfreundlichen Schnittstellen, die nicht nur den Zugang zu Tools vereinfachen, sondern auch die Produktivität steigern und Frustration minimieren.

Durch die Verbindung von UX-Expertise mit den spezifischen Anforderungen von Entwickler:innen entstehen Plattformen, die den Alltag erleichtern, Produktivität fördern und die Arbeitszufriedenheit steigern.

Die Platform Journey: Orientierung durch das Maturity Model

Jede Plattformreise ist einzigartig – von der ersten Idee bis zur etablierten «Platform-as-a-Product-Strategie». Dabei kann es für Unternehmen herausfordernd sein, den eigenen Fortschritt zu bewerten und die nächsten Schritte zu planen. Das CNCF Platform Engineering Maturity Model bietet hier eine wertvolle Orientierungshilfe.

Platform Engineering Maturity Model by CNCF
Platform Engineering Maturity Model by CNCF (Quelle: https://tag-app-delivery.cncf.io/whitepapers/platform-eng-maturity-model/)

Das Modell wurde ursprünglich von Syntasso entwickelt und Ende letzten Jahres an die CNCF gespendet. Seither wird es kontinuierlich von der CNCF Platforms Working Group weiterentwickelt. Ziel des Modells ist es, Unternehmen eine strukturierte Methode an die Hand zu geben, um ihre Plattform-Initiativen zu bewerten und gezielt weiterzuentwickeln. Dabei werden nicht nur technische Aspekte berücksichtigt, sondern auch organisatorische und kulturelle Faktoren, die für den Erfolg einer Plattform entscheidend sind. Trotz der fortlaufenden Weiterentwicklung des Modells und seiner Anwendungsfälle dient es schon jetzt als effektives Navigationsinstrument für Unternehmen.

Ein Evaluations-Guide, der im kommenden Sommer veröffentlicht wird, soll Unternehmen dabei unterstützen, potenzielle Risiken frühzeitig zu identifizieren und gezielt Chancen zu nutzen. Mit diesem Werkzeug können Unternehmen fundierte Entscheidungen treffen und die Weiterentwicklung ihrer Plattform strategisch und nachhaltig vorantreiben.

Fazit

Platform Engineering ist mehr als nur Technik – es ist ein strategischer Ansatz, der technische, organisatorische und kulturelle Aspekte miteinander verbindet. Durch die Verknüpfung zentraler technischer Pfeiler und den Fokus auf Developer Experience als menschenzentriertem Ansatz wird die Plattform zum Katalysator für Effizienz und Innovation. Unternehmen profitieren von klaren Verantwortlichkeiten, reduzierter Komplexität und gesteigerter Zufriedenheit ihrer Teams.

Mit dem CNCF Platform Engineering Maturity Model haben Organisationen ein hilfreiches Werkzeug an der Hand, um den Fortschritt ihrer Plattform-Initiativen zu bewerten und gezielt weiterzuentwickeln. Der Weg zur erfolgreichen Plattform ist eine Reise, die durch Synergien zwischen Technik und Kultur nachhaltig gestaltet werden kann – für eine IT, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch zukunftssicher ist.