FOSS Backstage: Ein Blick hinter die Kulissen der Open Source Welt
Open Source ist weit mehr als nur das Veröffentlichen von Quellcode – es ist eine Bewegung, die Zusammenarbeit, digitale Souveränität und nachhaltige Innovation ermöglicht. Die FOSS Backstage 2025 in Berlin brachte genau diese Aspekte in den Fokus. Vom 10. bis 11. März versammelten sich rund 270 Teilnehmende, um in 49 Sessions über Herausforderungen und Chancen der Open-Source-Governance zu diskutieren. Dabei wurde eines klar: Open Source ist der Schlüssel zur digitalen Zukunft – aber sie erfordert Engagement, Investitionen und klare Rahmenbedingungen. Olivier Brian war dabei und berichtet von seinen Erlebnissen.
Digitale Souveränität und geopolitische Instabilität
In ihrer Keynote «Digital Sovereignty and Open Source – Shaping an Answer to Geopolitical Instabilities» beleuchtete Jutta Horstmann, wie Open-Source-Technologien helfen können, geopolitischen Abhängigkeiten zu reduzieren. Sie stellte die openCode Platform und das openDesk-Projekt vor, die konkrete Lösungsansätze für mehr digitale Souveränität bieten.
Denn die Realität ist: «The US has the Kill-Switch for every Government» – ein eindringlicher Reminder, warum unabhängige Alternativen nötig sind.
Was digitale Souveränität bedeutet, wurde auf der Konferenz so zusammengefasst:
- Wahlfreiheit: Es braucht Alternativen zu monolithischen, proprietären Produkten.
- Anpassungsfähigkeit: Technologien und Lösungen müssen frei anpassbar sein – ohne Abhängigkeiten.
- Mitbestimmung: Digitale Souveränität setzt voraus, dass sich Menschen aktiv einbringen können – nicht nur finanziell, sondern auch durch Wissen und Kompetenzen.
Ein konkretes Beispiel: Frankreich und Deutschland haben gemeinsam eine skalierbare Plattform für kollaborative Dokumentation Docs entwickelt. Dieses Projekt zeigt, dass die Erstellung und Verwendung von Open-Source-Software der Weg ist, um langfristig digitale Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Viele Sessions an der FOSS Backstage gingen auf die relevanten nicht-technischen Veränderungen und deren Herausforderungen ein.
Zusammenarbeit in Open Source: Mehr als nur Code
Open Source lebt von der Community – und diese funktioniert nur durch gute Kommunikation, klare Strukturen und gezielte Unterstützung. Ein entscheidender Punkt: Geld allein reicht nicht. Unterschiedliche Mitwirkende brauchen individuelle Fördermechanismen, damit Projekte nachhaltig wachsen können.
Auch hier spielte das Thema digitale Souveränität eine grosse Rolle. Denn Open Source ist nicht kostenlos – es braucht Finanzierung, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Der Cybersecurity Act trägt dazu bei, Sicherheitsanforderungen für Open-Source-Software zu verbessern, aber auch Unternehmen und Regierungen sind gefordert: Statt hohe Lizenzgebühren für proprietäre Software zu zahlen, sollten sie in die Nachhaltigkeit von Open Source investieren.
Design, Usability und der Mensch im Mittelpunkt
Funktionalität allein reicht nicht – Open Source muss benutzerfreundlich sein. Daher ist die Gestaltung und Usability entscheidend für den Erfolg von Open-Source-Projekten. Der Open Design Guide bietet eine wertvolle Ressource, um Open-Source-Projekte von Anfang an benutzerzentriert zu gestalten.
Priorisierung von Open Source in der öffentlichen Beschaffung
In der Schweiz gibt es mit dem EMBAG bereits eine gute Vorraussetzung in Bezug auf die Erstellung von Software. Doch während andere EU-Länder Open-Source-Lösungen priorisieren, fehlt in der Schweiz noch ein vergleichbarer Fokus auf den Einsatz von Open Source.
Internationale Initiativen wie Sovereign Techh oder GovStack zeigen, wie die digitale Transformation in Behörden durch Open Source vorangetrieben werden kann. Interessant: Das Schweizer EMBAG stösst international auf grosse Bewunderung – Ich durfte in einem Lightning Talk kurz über CH Open, EMBAG und die Schweiz berichten.
Mehr «Open Source» in den Jobtiteln
Die Entwicklung und Pflege von Open Source darf nicht nur Freizeitbeschäftigung bleiben. Es braucht Fachkräfte, die sich hauptberuflich mit Open Source beschäftigen und Verantwortung übernehmen. Wie das geht zeigen die guten Beispiele von etablierten Open Source Programm Office (OSPO) und Manifests bei Verwaltungen und Unternehmen. Die UN verbindet mit OSPOs for Good die Nachhaltigkeitsziele SDGs mit Open Source.
Fazit: Open Source als Schlüssel zur digitalen Zukunft
Die FOSS Backstage 2025 hat gezeigt: Free and Open Source ist die Antwort auf viele digitale Herausforderungen unserer Zeit. Doch dafür braucht es mehr als nur guten Willen. Es erfordert nachhaltige Finanzierung, klare politische Rahmenbedingungen und eine breite Anerkennung der Bedeutung von Open Source als Schlüssel zur digitalen Souveränität.
Die Konferenz bot die Möglichkeit, zahlreiche engagierte Menschen, Organisationen und Initiativen kennenzulernen. Wer sich weiter mit den Themen beschäftigen möchte: Die Aufzeichnungen der Sessions werden bald auf Youtube veröffentlicht. Es lohnt sich, reinzuschauen!
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