10. Juni 2025

Women in Tech: Von Softwareentwicklung und Benutzerfreundlichkeit

Bei Puzzle ITC arbeiten viele talentierte Frauen in der Technologie. In dieser Blogpostserie begleiten wir sie auf ihrem Weg. Dieses Mal berichtet Claudia Asti, wie sie ihre Leidenschaft für Usability und UX-Design mit ihrer Rolle als Softwareentwicklerin vereint und welche neuen Perspektiven sie durch ihre Weiterbildung gewonnen hat.

Design & User Experience
Software Development & Architecture
Frauen, die in der Tech Branche tätig sind.

Erste Berührungspunkte

«If you want to create a great product, you have to start by understanding the people who will use it.» — Don Norman

Das erste Mal bin ich 2006 während meines Informatikstudiums mit den Themen Benutzerfreundlichkeit (Usability) und User Experience (UX) in Berührung gekommen, als ich eine Vorlesung mit dem Namen «Mensch-Maschine-Schnittstelle» besucht habe. Mir hat dieses interdisziplinäre Fach an der Schnittstelle von Technik, Psychologie und Design auf Anhieb gefallen, sodass ich die Vorlesung anschliessend während mehreren Semestern als Hilfsassistentin betreut habe.

In meinen ersten Jahren als Softwareentwicklerin spielte Usability allerdings dann eher eine marginale Rolle. Wie das User Interface umgesetzt wird, bestimmten entweder die Kund:innen – oder, falls keine Anforderungen spezifiziert waren, gleich die Entwickler:innen selbst. Mich hat es dabei aber immer gereizt, die Kundenwünsche zu hinterfragen oder eben auch selbst zu überlegen, wie ein neues Feature am benutzerfreundlichsten umgesetzt werden kann.

Durch den regen Austausch zwischen den Members bei Puzzle sind unsere Spezialist:innen von we are cube³, unserem internen User Experience Studio, irgendwann auf mein Interesse aufmerksam geworden. Bei kleineren Personalengpässen durfte ich sie als «Mentee» in diversen Projekten unterstützen und so erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Die Aufgaben waren sehr unterschiedlich: vom Designen von Mockups, über das Erstellen von HTML/CSS-Templates bis hin zur Protokollierung von Usability-Tests.

ux scaled women in tech Blogpost Claudia
ux scaled women in tech Blogpost Claudia

Ein berufsbegleitendes Studium

Da mir diese Aufgaben viel Spass bereitet haben und ich mein Wissen für allfällige zukünftige Einsätze vertiefen wollte, habe ich mich vor drei Jahren entschieden, das CAS Usability und User Experience erfolgreich umsetzen an der FHNW zu besuchen. Dank der Unterstützung von Puzzle konnte ich das Studium berufsbegleitend absolvieren und nach einem Jahr erfolgreich abschliessen.

Das Studium geht eher in die Breite als in die Tiefe und schafft so einen vollständigen Überblick über die Prozesse, welche die menschenzentrierte Gestaltung ausmachen. In der kursbegleitenden Fallstudie konnten wir einen Teil des erlernten Wissens gleich in der Praxis anwenden. Zusammen mit zwei Kommilitoninnen habe ich untersucht, wie die Reka den Jahresversand der Einzahlungsscheine digitalisieren könnte. Wer Reka-Pay nutzt, kann heute (hoffentlich) von dieser Arbeit profitieren.

Neue Herausforderungen im Arbeitsalltag

Heute profitiere ich von der Weiterbildung und der Zusammenarbeit mit unseren UX-Spezialist:innen, indem ich mein Know-how in unseren Entwicklungsbereich einbringe und einen kurzen Draht zu den Kolleg:innen habe.

So konnte ich beispielsweise in den vergangenen zwei Jahren in einem unserer bestehenden Entwicklungsprojekte für die BKD zusammen mit we are cube³ ein Konzept zur Digitalisierung von Lernendendossiers erarbeiten, welches wir in den kommenden Jahren sukzessive implementieren werden.

Aktuell unterstütze ich zwei Arbeitskolleginnen bei der Aktualisierung des Frontends von Liima.

Inspiration für die Zukunft

Als Nächstes würde ich mich gerne im Bereich Barrierefreiheit (Accessibility) vertiefen. Dieses Thema kommt bei der Entwicklung häufig zu kurz bzw. wird höchstens berücksichtigt, wenn es explizit gefordert ist. Meiner Meinung nach gehört ein Basiswissen darüber in den Werkzeugkasten jeder Frontendentwicklerin – insbesondere auch mit Blick auf den European Accessibility Act, der am 1. Juni 2025 in Kraft tritt.

«Bar­rie­re­frei­heit ist für 10% der Men­schen un­er­läss­lich, für 30% not­wen­dig und für 100% nütz­lich.» — Anne-Marie Nebe

Fazit

Auch wenn ich meiner Rolle als Softwareentwicklerin vorerst (mehrheitlich) treu bleibe, hat mich die Weiterbildung persönlich weitergebracht. Technische Weiterbildungen im Bereich der Softwareentwicklung sind oft sehr spezifisch und das vermittelte Wissen manchmal etwas kurzlebig. Am CAS hat mir besonders gefallen, dass das erworbene Wissen seine Relevanz mit der Zeit nicht verliert und vielfältig einsetzbar ist.

Unter anderem nehme ich mit:

  • Gutes Usability- und UX-Design «lernt» man nicht einfach im Studium, dazu braucht es viel Übung und praktische Erfahrung.
  • Kommunikation zwischen Menschen ist wichtig: nicht nur mit potenziellen Benutzer:innen, sondern allgemein im Berufsleben.
  • Es braucht alle Disziplinen von Ops bis UX, um qualitativ hochwertige und benutzerfreundliche Software zu entwickeln.

Aussenstehende stellen sich meiner Erfahrung nach unter Softwareentwicklung häufig einen eher eintönigen Beruf vor. Das Studium hat mir aber wieder einmal vor Augen geführt, wie vielseitig und kreativ unsere Arbeit sein kann.