26. Juni 2026

Wie wir Freddy die RAV-Reise erleichtern: Ein Rückblick auf den GovTech Hackathon 2026

Wie können digitale Behördenleistungen Menschen unterstützen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden? Mit dieser Frage beschäftigte sich Ende Mai mein Team am GovTech Hackathon 2026. Im Rahmen eines Mandats beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hatte ich die Möglichkeit, an der Veranstaltung teilzunehmen und gemeinsam mit einem interdisziplinären Team an einer konkreten Herausforderung zu arbeiten. Im Mittelpunkt stand die Challenge «Arbeitslos? Nicht verloren!», die sich mit der digitalen Begleitung von Personen beschäftigt, die sich erstmals beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anmelden müssen

Digital Transformation
AI & Data Analytics
Team GovTech Hackathon

Die Challenge: «Arbeitslos? Nicht verloren!»

An der Veranstaltung arbeiteten über 20 Teams an unterschiedlichen Challenges. Aufgrund meiner Arbeit im Umfeld von Arbeitslosigkeit, Job-Room und Stellensuche wurde die Wahl bereits im Voraus getroffen: Ich schloss mich der Challenge des Amts für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern an.

Im Zentrum stand Freddy Fremd. Freddy verliert seine Stelle und muss sich beim RAV anmelden, um Arbeitslosenentschädigung zu beantragen. Gleichzeitig spricht er kaum Deutsch und verfügt nur über geringe digitale Kenntnisse. Die heutige User Journey stellt für ihn eine grosse Herausforderung dar.

Die grössten Hürden auf Freddys Reise

Bevor wir über Lösungen nachdenken konnten, mussten wir die bestehenden Herausforderungen verstehen. Basierend auf Nutzerforschung des Kantons Bern analysierten wir die aktuelle User Journey Schritt für Schritt.

Dabei zeigten sich insbesondere drei Pain Points:

  • Mehrfache Erfassung derselben Informationen in unterschiedlichen Systemen
  • Medienbrüche zwischen verschiedenen Plattformen und Ansprechpartnern
  • Hohe Einstiegshürden bei der Registrierung und Nutzung von AGOV

Gleichzeitig identifizierten wir einen positiven Aspekt: Eine mehrstufige Anleitungs-E-Mail des Kantons Bern wird von vielen Nutzenden aktiv als Orientierungshilfe genutzt. Diese Beobachtung wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt für unseren Lösungsansatz.

Ein zentraler Begleiter statt vieler Einzellösungen

Unsere Vision war eine möglichst durchgängige User Journey mit wenigen Medienbrüchen. Statt Nutzende durch verschiedene Systeme zu führen, sollte eine zentrale Anwendung Orientierung bieten und die wichtigsten Schritte bündeln.

Innerhalb kurzer Zeit entwickelten wir einen klickbaren Prototypen einer Companion App. Dabei standen drei Aspekte im Fokus:

  • Eine möglichst nahtlose Nutzerführung
  • Flexible Sprachunterstützung für unterschiedliche Zielgruppen
  • Intelligente Dokumentenverarbeitung, die hochgeladene Dokumente analysiert und Formulare automatisch vorbefüllt

Gerade der letzte Punkt zeigte, wie KI dazu beitragen kann, administrative Prozesse für Nutzende deutlich einfacher zu gestalten.

Erkenntnisse über die Challenge hinaus

Der Hackathon hat einmal mehr gezeigt, dass die grössten Herausforderungen bei digitalen Behördendienstleistungen oft nicht technischer Natur sind. Vielmehr geht es darum, Prozesse aus Sicht der Nutzenden zu denken.

Besonders in komplexen Lebenssituationen können klare Nutzerführung, verständliche Kommunikation und der Abbau von Medienbrüchen einen entscheidenden Unterschied machen. Gleichzeitig wurde deutlich, welches Potenzial moderne Technologien wie KI bieten, um bestehende Prozesse einfacher und zugänglicher zu gestalten.

And the Winner is… 🏆

Am Ende des Hackathons wurden die besten Projekte in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Unser Team durfte sich mit der Lösung rund um Freddy Fremd über den Sieg in der Kategorie «Nützlichste Lösung» freuen.

Fazit

Für mich war der GovTech Hackathon eine spannende Gelegenheit, Herausforderungen im öffentlichen Sektor aus einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten. Die erarbeitete Lösung dient nun als Diskussionsgrundlage für zukünftige Verbesserungen der Nutzererfahrung.

Der Hackathon hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig nutzerzentrierte Digitalisierung ist. Gerade dort, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, können durchdachte digitale Services helfen, Hürden abzubauen und den Zugang zu staatlichen Leistungen zu vereinfachen.