Studienreise nach Shenzhen

Sarah Pfeiffer

Einblick in die Technologien der Zukunft – Shenzhen zeigt, was alles möglich ist.

Im Rahmen meiner Vorstandstätigkeiten im Verein des Digital Impact Network konnte ich eine spannende Studienreise nach Shenzhen erleben. Mit rund zwanzig Vereinsmitgliedern, alles Technologie-interessierte Berufsleute, sowie Vertretern der Wirtschaftsförderung des Kanton Berns und einem Filmteam, reisten wir am 13. November 2019 für rund eine Woche nach Shenzhen, um uns von der chinesischen Tech-Innovation inspirieren zu lassen.

Zum fünf-jährigen Partnerschaftsjubiläum zwischen dem Kanton Bern und Shenzhen wurden die Erlebnisse unserer Reisegruppe von einer Filmcrew dokumentiert. Dabei wurde ich als Hauptprotagonistin von der Kamera begleitet. Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, an der ich durchaus Gefallen fand.

Am Donnerstag, 14. November 2019, landeten wir nach knapp elf Stunden Flug um 07:00 Uhr morgens in Shenzhen. Nach dem Bezug der Hotelzimmer ging es bereits los. Wir besuchten die Hi Tech Fair.

Hi Tech Fair

Die Hi Tech Fair ist die grösste Technologie Messe in China. Auf 100’000 m2 präsentieren fast 3’000 Firmen aus mehr als 50 Länder ihre Produkte. Dieses Jahr war auch ich eine von 500’000 Besuchern dieser Messe. Die Grösse der Messe sowie die verschiedenen Technologien waren sehr beeindruckend. Vieles konnte ich selber ausprobieren und testen. Ich versuchte mich an Games, die ich alleine über Gesichts- und Bewegungserkennung meines Körpers steuerte. Ich sprach mit Robotern, bewunderte neue Chip Technologien, war begeistert aber auch etwas eingeschüchtert von den vielen Möglichkeiten, die Artificial Intelligence bietet. Weiter wurde mit neuster Sensorentechnik gezeigt, wie die Landwirtschaft nachhaltiger werden soll und auch 5G war allgegenwärtig. Zudem hatte ich viel Spass beim Testen von lustigen Gadgets wie Massagegeräten, Infrarot Sauna, Tattoolaser, neuen super Hightech Küchengeräten und vielem mehr.

Firmenbesuche

Im Verlauf der Woche konnten wir verschiedene chinesische Technologiefirmen wie Hytera, Intellifusion, DJI, Galaxy Group, Huawei, UBTech Robotics und SANGFOR besuchen. Besonders interessant fand ich die Besuche bei Intellifusion und Huawei.

Intellifusion ist führend in der Entwicklung von Produkten im Bereich Artificial Intelligence. Die Firma hat einen Chip, eine Kamera sowie die dazugehörige Software entwickelt, womit vor allem Projekte zur Personenerkennung umgesetzt werden. Ich hatte die Möglichkeit die Firma noch ein zweites Mal zu besuchen und konnte etwas technischere Fragen stellen. Die Entwicklung der Software erfolgt meist mit den gängigen Open Source Technologien und die Entwicklungsmethode ist Feature-orientiert. Für mich war es sehr interessant hinter die Kulissen dieser Firma zu blicken und direkt mit IT-Architekten und Software Entwicklern zu sprechen.

Der Besuch bei Huawei war sehr cool. Zuerst wurden uns im Showroom ihre neusten AI und 5G Produkte vorgestellt. Danach konnten wir eine fast voll automatisierte «Handyproduktionsstrasse» in einer Produktionsstätte besichtigen. Im letzten Jahr wurden die Produktionsschritte immer weiter automatisiert. Pro Schicht konnte die Arbeit von 86 auf 17 Arbeitern reduziert werden. Am Nachmittag besichtigten wir den Huawei Campus. Ein kleines Europa mitten in Shenzhen. Einfach crazy!

Technologie und Hardware

Auf dieser Reise ist mir in Bezug auf die Technologien besonders aufgefallen, dass die Techfirmen in Shenzhen in den Themenbereichen AI, 5G und Robotics sowie allgemeiner Hardware ziemlich weit, wohl weltführend sind. Im Bereich Artificial Intelligence ist viel mehr möglich als bei uns in der Schweiz und die Technologie wird bereits aktiv eingesetzt. Es hat überall Kameras mit Gesichts- und Personenerkennung und die Technologie ist bereits sehr fortgeschritten und exakt. Mich hat das auf der einen Seite fasziniert aber auf der anderen Seite auch beängstigt. Wo soll das hinführen und vor allem wie weit wollen wir solche Technologien in der Schweiz überhaupt einsetzen?
Beim Besuch des Elecronic Market wurde mir die Dimension dieser Hardware City bewusst. Es gab einfach alles zu kaufen. Von der Handyhülle über Kopfhörer zu Transistoren und vielen Kleinstteilen für Prozessoren, Chip Technologien und Kabel. Wer soll das alles kaufen?
In China ist das Handy allgegenwärtig und wird wohl noch viel mehr genutzt als bei uns. Alles wird über die WeChat Handy App abgewickelt. Man kann telefonieren, chatten, Taxis bestellen, Metroplan herunterladen, bezahlen und vieles mehr. Ich habe einige dieser Funktionen getestet. Vor allem das Bezahlen mit dem Handy hat immer reibungslos und schnell funktioniert. Kreditkarten funktionieren meist nicht. Diese sind dort schon oldschool…

Kultur

Obwohl die Woche kurz und unser Programm vollgepackt war, fand ich doch auch ein bisschen Zeit, um die Kultur und die Menschen von Shenzhen kennenzulernen. Ich war das erste Mal in China und war bei der Ankunft überwältigt und auch etwas verwirrt, da ich mir die Stadt ganz anders vorgestellt hatte. Ich hatte mehr Menschen und Verkehr auf den Strassen erwartet. Zusätzlich war alles sehr sauber, was ich auf meinen anderen Asienreisen noch nie erlebt hatte. Doch bald begriff ich, dass der Lärmpegel der Autos aufgrund den Elektroautos so niedrig war und asiatische Geschäfte sowie kleine Shops doch noch ausserhalb des Zentrums ihren Platz fanden.
Was uns in dieser Woche kulinarisch geboten wurde, war unglaublich. Bereits das grosse Frühstückbuffet im Hotel hatte alles zu bieten was mein Herz begehrte und jeden Mittag und Abend bekamen wir fantastisch schmeckende chinesische Speisen serviert. An einem Abend testete ich einen Streetfood Market und entdeckte das Trendgetränk «Milktea with Bubbles».
Am Sonntag hatte ich die Möglichkeit die Filmcrew, welche von einem chinesischen Minister auf einen Ausflug ans Meer eingeladen wurde, zu begleiten. Wir besuchten das Städtchen Dapeng, das im 13. Jahrhundert entstanden ist. Im hübschen Städtchen konnte ich die alte chinesische Architektur und das Kunsthandwerk besichtigen. Zum Mittagessen fuhren wir nach Xiaqisha, wo wir mit dem Boot zu einem Floatingvillage fuhren und in einem Restaurant auf dem Wasser frischen Fisch und Meeresfrüchte serviert bekamen. Der direkte Austausch mit dem chinesischen Minister und dessen Familie war sehr interessant und bereichernd.

Fazit

Shenzhen wächst gewaltig und schnell. Die Chinesen haben eine «Manpower», die bei uns nie möglich ist. Der technische Fortschritt ist gewaltig und die Firmen werden grösser und grösser. Auf der einen Seite finde ich das extrem faszinierend und bin beeindruckt vom technologischen Fortschritt. Auf der anderen Seite werden die Menschen überwacht. Neben unzähligen Kameras, gibt es überall Polizisten und Security Personal. Das hat mir, obwohl ich mich sehr frei bewegen konnte, ein beengendes Gefühl vermittelt.
Ich denke aber, dass wir China betreffend technologischem Fortschritt nicht ignorieren dürfen. Ich habe durchaus ein positiveres Bild, vor allem in den Themen Nachhaltigkeit und erneuerbaren Energien erhalten, als ich erwartet hätte. Es ist spannend, wie sich China weiterentwickelt. Ich hoffe aber, dass sie ihre wunderbare Kultur in dieser schnelllebigen Welt nicht vergessen.
Wir in der Schweiz sollten den technologischen Fortschritt von China im Auge behalten und prüfen, wie wir davon profitieren können. Auch sind wir Schweizer punkto Qualität immer noch führend und können im Rahmen von Partnerschaften mit chinesischen Privatfirmen unsere Expertisen anbieten.

Für mich war die Woche sehr bereichernd und öffnete meinen Wissenshorizont. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, an einer solchen interessanten Studienreise teilzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.