Klima und Mobilität

Ramona Mäder

„Die zukünftige Mobilität der Schweiz entwickeln“ steht im Zentrum der Mobilitäts-Meetups des innolab smart mobility. Am 4. Juli wurde mit verschiedenen Parteien das Thema Klima und Mobilität behandelt. Ein Member von Puzzle, Ramona Mäder, war mitten im Geschehen und berichtet über interessante Ansätze.

innolab smart mobility – Gemeinsam sind wir erfolgreich

Hinter dem Namen «innolab smart mobility» steckt ein Verein, welcher das Ziel vor Augen hat, ein innovatives Ökosystem für die Mobilität in der Schweiz zu entwickeln. Dies soll in einer Kollaboration zwischen verschiedenen Partnern, bestehend aus Transport- Consulting-, Innovations- und IT-Unternehmen, geschehen. Anfangs 2018 gründeten acht der unten aufgelisteten Partner den Verein «innolab smart mobility».

Monatlich treffen sich die Mitglieder und auch sonstige Interessenten an Meetup’s und diskutieren Fragen bzgl. der Mobilität und wohin uns die Technik in Zukunft führen wird.
(Wer mehr dazu wissen möchte, kann sich hier für das nächste Treffen anmelden oder die Folien zu vergangenen Meetup`s ansehen.)

Meetup zum Thema Klima und Mobilität

Das Thema Klimawandel ist allgegenwärtig und auch im «innolab smart mobility» sehr zentral. Deshalb organisierte „innolab smart mobility“ ein Meetup zum Thema «Klima und Mobilität». Der Gastreferenten Prof. Thomas Frölicher präsentierte die wissenschaftliche Sicht zum Thema Klimawandel. Da der Klimawandel alle Generationen betrifft, wurde auch eine Gruppe von Jugendlichen eingeladen. Diese setzten sich rege mit dem Thema auseinander und diskutierten tatkräftig mit.

Sicht der Jugendlichen

Jedes Gruppenmitglied hat seine Sicht zum Thema «Klima und Erwartung an die Mobilität» erläutert. Dabei wurden einige spannende Punkte zusammengetragen. Beispielsweise könnte eine Transportmöglichkeit geschaffen werden, die in die abgelegenen Gemeinden verkehren. Somit muss nicht jedermann das Auto zum Bahnhof verwenden. Des Weiteren könnten die Fahrradwege besser ausgebaut werden, damit vermehrt das Fahrrad als Transportmittel gewählt wird. Oder die Stadt könnte sogar Auto-frei werden, da ja genügend öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Eine weitere Idee wäre die Ticketpreise für die ÖV zu senken, damit Flugreisen weniger attraktiv sind.

Sicht der Wissenschaftler

Herr Prof. T. Frölicher, Pyhsikalisches Insitut, Oeschger-Zentrum für Klimaforschung Universität Bern, hat uns unter anderem das Thema «Treibhausgasemissionen in der Schweiz seit 1990» genauer erläutert.

Das Ziel ist es, gemäss dem Pariser Klimaabkommen, in den nächsten Jahren unsere Treibhausgasemissionen in der Schweiz um 20% zu kürzen. Seit den 90er Jahren konnten diese nur um 12% verringert werden. Dieses Ziel werden wir sehr wahrscheinlich nicht erreichen können. Wenn wir uns einmal die verschiedenen Sektoren in der untenstehenden Grafik anschauen, dann sehen wir, dass der Verkehr für gesamte 32% der Treibhausgasemissionen in der Schweiz verantwortlich ist. Darin wurde der Flugverkehr nicht berücksichtigt. Von den 32% stammen ganze 70% der Verkehrsemissionen von Personenwagen. Und da kommen wir wieder auf die Forderung der Jugendlichen zurück: Wir sollten einmal mehr das Fahrrad anstatt das Auto nehmen – dies würde zu einer verbesserten Emissionsrate beitragen.

Abbildung 1: Treibhausgasemissionen seit 1990 in der Schweiz, aufgeteilt nach Sektoren. Hinweis: Hier wurde die «Graue Energie», der Lebenszyklus eines Produktes vom Rohstoff bis zur Entsorgung, nicht berücksichtigt.

Beispiel:
In einem Smartphone stecken rund 220 kWh graue Energie, für den Betrieb fällt ca. 1 kWh pro Jahr an. Im Schnitt sind Smartphones hierzulande nur 18 Monate im Einsatz. Bei elektronischen Geräten lohnt es sich, sie möglichst lange zu verwenden und beim Kauf auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit zu achten.
(Quelle, abgerufen am 22.07.2019: https://www.energiestiftung.ch/graue-energie.html)

Der Klimawandel beeinflusst jede Region anders. In der Schweiz macht er sich stark bemerkbar, da sich die Erwärmung im Alpenraum doppelt so stark ausbreitet, wie im globalen Durchschnitt.

Seit den ersten Temperaturmessungen im Jahr 1864 wurde es in der Schweiz ersichtlich wärmer. Die Temperaturen in der Schweiz sind im Mittel um 2.1°C Grad wärmer als noch 1864. Eine Folge davon ist die stetige Veränderung der Natur. Hier ist ein Beispiel abgebildet, wie sich die Nullgradgrenze in den Bergen verschieben wird:

Abbildung 2: Prognostizierte Verschiebung der Nullgradgrenze

Fazit von Prof. Thomas Frölicher

Die Temperaturen in der Schweiz werden weiter ansteigen und es erwarten uns mehr Hitzetage und stärkere Niederschläge als bisher. Wenn wir das Klimaziel von max +2°C im globalen Mittel erreichen wollen, müssen wir bereits heute etwas ändern.

Weitere interessante Informationen findest du in den Folien von Prof. Thomas Frölicher (Quelle für die Grafiken und Informationen in diesem Beitrag): https://polybox.ethz.ch/index.php/s/j5LjZE5zbz7GfdX

Gemeinsamer Workshop

Nach der ausgiebigen Diskussionsrunde wurde eine Art Workshop eröffnet. Die vier verschiedenen Gruppen wurden mit je einer Person aus der Jugendvertretung für Klimaschutz unterstützt. Wir erarbeiteten die konkrete Frage zu möglichen Massnahmen im Thema Klima und Mobilität. Die Frage klingt zwar einfach, entpuppte sich aber als sehr knifflig.

Um nur einige Gruppenergebnisse zu nennen:

  • Periode für ein BikeToWork verlängern. Der Arbeitgeber könnte dies mit zur Verfügung gestellten Duschen fördern.
  • CoWorking Space ‹Plus›: Ein Arbeitsort, welcher zusätzliche Serviceangebote beinhaltet. Der Arbeitsweg wird erspart und Einkaufsmöglichkeiten, Poststellen oder sogar eine KITA soll an einem Standort vorhanden sein.
  • HomeOffice fördern oder neuere Technologien für Sitzungen, mit Teilnehmern an verschiedenen Standorten, einsetzen.
  • Dort wohnen, wo die Arbeitsstelle liegt. Hierbei würde eine Steuerreduktion für Betroffene die Motivation erhöhen, weniger zu reisen. Auch die Infrastruktur der Bahn müsste somit weniger ausgebaut werden.
  • Regionaler Einkauf / kleine Supermärkte im Dorf fördern. Dies könnte beispielsweise mit „regionalem Geld“ angegangen werden, welche nur für bestimmte Supermärkte verwendet werden können. Somit würden Personen vermehrt weniger Fahrten in weit entfernte Einkaufszentren auf sich nehmen.
  • Weniger exotische Produkte konsumieren wie z.B. Kaffee oder Bananen.

Am Ende der Diskussion kam immer wieder dasselbe Thema auf: Wir sollten uns bei der eigenen Nase nehmen und freiwillig auf einige Luxusgüter verzichten. Kleine Erledigungen mit dem Fahrrad abwickeln, nicht jeden morgen einen Kaffee geniessen oder auch mal Ferien machen, die nicht zu weit weg sind.

Das Thema war sehr interessant und kurzweilig. Ich hoffe, dass daraus nun einige weitere konkrete Projekte und Massnahmen entstehen und wir gemeinsam etwas bewirken können.

Umgesetzte Massnahmen bei Puzzle ITC

Bei Puzzle ITC ist die Nachhaltigkeit seit geraumer Zeit ein wichtiges Thema. Wir haben in den letzten Jahren bereits einige Massnahmen umgesetzt. Um nur einige davon zu nennen: Puzzle stellt «ReCircle Tupperware Geschirr» für Take-Away Menüs zur Verfügung, es wird Strom aus erneuerbarer Energie bezogen und die Members werden für das zweimonatige BikeToWork motiviert.

Der Workshop hat uns angeregt, eine weitere Massnahme umzusetzen. Die Jugendlichen haben darauf hingewiesen, dass wir alle vermehrt mit dem Fahrrad unterwegs sein sollten. Infolgedessen haben wir uns überlegt, dass wir unsere Mitarbeiter erneut zum Fahrradfahren motivieren möchten. Das Rad muss nicht mehr neu erfunden werden, es gibt bereits eine interessante und coole App «Velo Mittwoch». Diese App soll jeden Einzelnen dazu motivieren, jeden Mittwoch das Fahrrad zu benutzen. Natürlich darf es auch täglich genutzt werden 🙂
Hier findet Ihr die App und mehr Informationen dazu: «Velo Mittwoch» https://www.velomittwoch.ch/

In die Pedale treten, dabei etwas für die Gesundheit sowie die Umwelt tun und obendrauf noch tolle Preise gewinnen? Klingt doch super! Wir wünschen eine frohe und unfallfreie Fahrt!

Minibus für die letzten Kilometer

Ein erstes Pilotprojekt, welches seinen Ursprung im «innolab smart mobility» Verein hat und auf der Lösung «flow-on-demand» basiert, ist das EBuxi in Herzogenbuchsee. Dies EBuxi startete im April 2019 erfolgreich.

Beim EBuxi handelt es sich um einen Shuttle-Dienst, welcher die Kunden von Tür zu Tür befördert. Die Fahrt kann sich manchmal leicht verzögern, da es sich beim Ebuxi um eine Shared-Dienstleistung handelt. Dies hat zu bedeuten, dass bei Bedarf zusätzliche Fahrgäste mit dem gleichen oder ähnlichen Fahrziel auf- und abgeladen werden. Damit dieses Projekt erfolgreich realisiert werden konnte, wurde viel Herzblut und Freiwilligenarbeit reingesteckt. Zusätzlich wurde das Projekt von Innovationspartnern unterstützt. Die Rikscha und das Elektroauto werden an sieben Tagen die Woche betrieben und steht den Gemeindeanwohnern von Herzogenbuchsee (mit Oberönz) und Niederönz zu einem Preis von 3.- Franken pro Fahrt zur Verfügung.

Eine gleiche Lösung wird ab dem Herbst in Ostermundigen eingeführt. Weitere Orte stehen bereits in Planung.

Weitere Informationen findest du unter :
https://flow-on-demand.com/
http://kronawitter-innovation.com/
https://ebuxi.ch/
https://www.startupticker.ch/en/news/april-2019/minibusse-fur-die-letzte-meile

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