Uphill Conf 2018

Claudia Asti

Am 27. April 2018 war es also soweit – die erste Ausgabe der Uphill Conf auf dem Gurten öffnete ihre Tore. Mit Mathis Hofer, Max Burri und Claudia Asti waren auch drei Puzzlers mit von der Partie.

Geschrieben von Mathis Hofer, Max Burri und Claudia Asti.

 

Die Veranstalter von Lambda IT, iterativ und Software Catering luden Grössen aus dem Silicon Valley und bekannte Gesichter aus der IT-Industrie ein. Was herauskam, war ein packendes Programm mit Themen rund um die Frontend-Entwicklung. Gerard Sans (Google Developer Expert) führte als Master of Ceremony vor vollen Rängen durch die Konferenz.

Den Auftakt zu den Präsentationen machte Jem Young von Netflix. Er führte uns anhand des Begriffs „Performance“ wieder einmal vor Augen, was einen guten Software-Ingenieur ausmacht: Er ist fähig verschiedene Optionen zum Erreichen eines Zieles gegeneinander abzuwägen und für den konkreten Fall die beste Lösung zu erarbeiten.

Neben den Talks, die auch online verfügbar sind, waren auch dieses Jahr die Lounge Sessions ein spezieller Leckerbissen der Uphill Conf. Jeweils zwei bis drei Speakers diskutierten in einem informellen Rahmen und Off-the-Record zu aktuellen Themen rund ums Web und die IT-Branche. Geleitet wurden die Gespräche von lokalen Moderatoren/innen. Die Zuhörer/innen konnten sich in den Austausch einbringen oder Fragen stellen.

Nach wie vor eines der brennendsten Themen in der Frontend-Entwicklung ist das State-Management für Applikationen unterschiedlicher Grössen. Die Speakers André Staltz, John Lindquist und Austin McDaniels konnten sich nicht darauf einigen, ab wann ein System zum State-Management (redux, mobx, ngrx, vuex…) notwendig ist oder eben noch nicht. Dabei konnten alle drei ihre jeweilige Vorliebe für einzelne Frameworks nicht verbergen.

Da Speaker Simona Cotin in ihrer Rolle als Developer Advocate viel Zeit in Flugzeugen, Zügen und Hotels verbringt, hat sie sich dort jeweils über die schlechte oder nicht vorhandene Internetverbindung geärgert. In ihrem Talk gab sie uns deshalb eine Einführung in Progressive Web Apps, eine Möglichkeit dieses Problem zu mindern. PWA oder – „websites that took all the right viamins (Alex Russell)“ – sollten unter anderem folgende Eigenschaften mitbringen: connectivity independent, fresh, discoverable, installable, safe… Um diesen Zustand der „Appyness“ zu erreichen, braucht es Service Workers, ein Web Manifest und HTTPS.
Nach der Einführung erklärte sie, wie eine Angular App progressive gemacht wird und mit welchen Tools (z.B. Lighthouse)getestet werden kann, ob unsere Website schon „Appy“ ist.

Ein Thema, das bei der Entwicklung gerne vergessen geht, ist Accessibility. Marcy Sutton hat uns mit ihrem Talk „Empathy-Driven Development“ aufgezeigt, wie leicht wir beim Design einer Webapplikation Menschen mit Behinderung unabsichtlich ausschliessen. Wir sollten, wann immer möglich, Lösungen implementieren, die auch mit Tastatur oder Screen Reader zu bedienen sind. Sie zeigte Tools und einfache Optimierungsmöglichkeiten (axe-core, what-input, react-announce-doc-title) für Applikationen, die niemanden diskriminieren und trotzdem für alle Benutzer das bestmögliche Erlebnis bieten.

Vor dem Mittagessen, das wie immer super war und diesmal bei strahlendem Sonnenschein stattfand, diskutierten Marcy Sutton und André Staltz über die Zukunft des Web. Beide beobachten mit Sorge, dass die Zahl der Websites stagniert und viele Benutzer das Web mit Mobile Apps gleichsetzen. Darunter leidet die Diversität, da immer mehr Funktionalitäten von immer weniger, dafür umso grösseren und mächtigeren Tech-Konzernen angeboten werden. Als spannende Alternative erwähnte André Staltz den Beaker-Browser, einen Peer-to-Peer Browser (ohne Blockchain), der es erlaubt, eigene Websites zu hosten und zu teilen – was sich da wohl für neue Möglichkeiten eröffnen?

Dann strapazierte André Staltz unsere Gehirne („it‘s good when it hurts!“) mit zwei fundamentalen Abstraktionen: Getters und Setters. In einer Live-Coding Session mit genau drei Slides (ein Bild, zwei Bullet Point Listen) zeigte er uns, wie Iterables und Observables fundamental auf diese beiden Abstraktionen zurück geführt werden können – der Talk war für viele das Highlight der Konferenz – wer nicht dabei war sollte sich diesen Talk unbedingt noch anschauen.

Etwas später am Nachmittag stellte John Lindquist seine eben erst publizierte Library „react-streams“ vor. In seinem Referat „React & RxJs – a match made in Heaven“ zeigte er, wie RxJs elegant mit React verknüpft werden kann und komplexe Probleme (State-Management again) gekapselt und elegant gelöst werden können.

Nach all den international bekannten Javascript-Koryphäen hatte dann mit Brigitte Hulliger eine ehemalige Puzzlerin und Mitgründerin von We Shape Tech Bern das letzte Wort: Zusammen mit Monika Blaser drehte sich die Closing Session der Uphill Conf um das Thema „Does Diversity Really Matter“. Untermauert von statistischen Fakten aus verschiedenen Quellen haben die beiden den fiktiven Lebensweg von Sarah in der Tech-Branche dargestellt. Das Poster dazu wurde mitgestaltet von unserer Puzzlerin Sombra Gonzalez, die an der Closing Session leider nicht teilnehmen konnte. An verschiedenen wichtigen Stationen auf Sarahs Lebensweg (beispielsweise: Karrierewahl, Studium, erster Job oder Mutterschaftsurlaub) steht sie jeweils an einer Weggabelung, die entweder nach „Mordor“ oder in eine „Unicorn-World“ führt. Die Zahlen zeigen, dass Sarah in der realen Welt leider noch häufig in Mordor landet.
Umso erfreulicher ist es, dass die Frauen an der diesjährigen Uphill Conf fast die Hälfte der Speaker ausmachten.

Kurz gesagt: Es war ein interessanter und lehrreicher Tag und wir freuen uns bereits heute auf die Uphill Conf 2019.

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