Consumer Electronics

Lara Eggimann

Es ist ein Ärger, den jeder Schweizer kennt: Unsere Heimat ist in vielen Belangen eine Hochpreisinsel. Seien es Lebensmittel, Pflegeprodukte oder Medikamente, manches ist in der Schweiz bis zu doppelt so teuer wie im angrenzenden Ausland. Dass es auch Ausnahmen von dieser Regel gibt, ist vielen nicht bewusst.

So kaufen Herr und Frau Schweizer Artikel der Unterhaltungselektronik – zum Beispiel Fernseher, Smartphones oder Computer – zu wesentlich günstigeren Konditionen als die europäischen Nachbarn. Ein Samsung Galaxy S7 ist beispielsweise beim günstigsten Schweizer Anbieter für 539 .- zu haben, in Deutschland kostet das Smartphone zum besten Preis immerhin 596 .-. Es lassen sich beliebig viele Beispiele finden: So kostet etwa ein 58‘‘ Panasonic Fernseher satte 315.- mehr in Deutschland, ein Land, das wohl gesagt zu den günstigsten Euro-Ländern gehört, was Consumer Electronics betrifft. Weshalb Unterhaltungselektronik in der Schweiz so günstig ist, habe ich in meiner Masterarbeit näher untersucht. Die Resultate möchte ich nun hier vorstellen.

Hohe Konsumentenpreise werden in der Schweiz oft als etwas Selbstverständliches hingenommen. Schliesslich seien Löhne und Mieten hoch, Logistik- und Werbekosten trügen den Rest zu den überhöhten Preisen bei. Dies stimmt allerdings nur bedingt. Weniger Ferien, Krankheits- und Streiktage, sowie eine höhere Arbeitsproduktivität und eklatant tiefere Lohnnebenkosten relativieren das hohe Lohnniveau. Schweizer Unternehmen profitieren zudem von tiefen Zinsen und Steuern. Besonders hervorzuheben ist hier der tiefe Mehrwertsteuersatz, der Konsumprodukte in der Schweiz um 10 bis 15% verbilligt gegenüber EU-Ländern. Wenn man all diese Kostenfaktoren zusammen nimmt, dürften die Preise nur geringfügig höher sein in der Schweiz als in unseren Nachbarländern.

Was ist also der eigentliche Grund für das hohe Preisniveau in der Schweiz? Kurz gefasst ist es der mangelnde Wettbewerb auf verschiedenen Handelsstufen. Aufgrund der Kleinräumigkeit der Schweiz und politischen Abschottungstendenzen keimt in gewissen Branchen kein fruchtbarer Wettbewerb auf. Die geringe Anzahl unterschiedlicher Anbieter ermöglicht diesen eine Abschöpfung der hohen Schweizer Kaufkraft. Die Landesgrenze spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit ihr sind Zölle und Grenzkosten verbunden, unterschiedliche Normen und Gesetze und eine andere Währung, die es den Anbietern erlaubt, den Schweizer Markt vom europäischen Markt abzuschotten und entsprechend höhere Preise zu verlangen.

Auch in der Branche für Unterhaltungselektronik wurde versucht, mit diversen Schikanen höhere Preise als im restlichen Europa durchzusetzen. Dies gestaltete sich aber wesentlich schwieriger als in anderen Branchen. Schon früh hat der europäische Branchenprimus Media Markt die „Discounter-Strategie“ in die Schweiz gebracht. Daneben gibt es eine hohe Anzahl etablierter Schweizer Anbieter. Coop bearbeitet den Markt mit seinen Tochterfirmen Interdiscount, Fust, Microspot und Nettoshop und steht damit in harter Konkurrenz mit den Migros-Perlen Digitec und melectronics. Dann gibt es den ganzen Fachhandel und Generalisten wie Manor, Conforama oder Aldi, die den Markt aufmischen. Die Angebotsdichte ist in der Schweiz tatsächlich höher als im Ausland und der Wettbewerb wird mit schärferen Klingen geführt. Auch ist der Online-Anteil von Unterhaltungselektronikkäufen im europäischen Vergleich sehr hoch. Dass im Internet die Preise sehr gut verglichen werden können, verstärkt den Preisdruck auf die Anbieter.

Die Preisschlachten im Detailhandel haben sich in den letzten Jahren auch auf die Lieferanten ausgewirkt. Mit Nachdruck haben die Detailhändler daran gearbeitet, dass die Lieferanten ihre Preise offen legen und für alle Abnehmer die gleichen Konditionen gelten. Die Preistransparenz auch auf dieser Stufe macht es sehr einfach, zu einem günstigeren Lieferanten zu wechseln. Der harte Wettbewerb hat aber noch einen weiteren Effekt: Die Kostenschraube wurde in den letzten Jahren mehr und mehr angezogen. So wurde der Prestigebau an der Zürcher Bahnhofstrasse durch einen günstigeren Laden in der Agglomeration ersetzt, und das Personal in den Fachgeschäften wurde reduziert. Die Ausgaben wurden so weit wie möglich optimiert, damit dem Konsumenten der bestmögliche Preis geboten werden kann.

Ergo: Preise müssen in der Schweiz nicht zwingend höher sein als in der EU. Wenn der Wettbewerb konsequent gefördert und Handelsbarrieren abgebaut werden, hat die Schweiz beste Voraussetzungen, den Konsumenten attraktive Preise bieten zu können.

Die Masterarbeit könnt ihr hier anschauen.

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