Stürzt uns die Digitalisierung ins Verderben?

Mark Waber

Co-Autoren: Andreas Odermatt / Nicole Pauli 

Es hörte sich an, wie ein Science-Fiction Thriller, als Prof. Dr. Helbing im Zentrum Paul Klee über die Digitalisierung sprach. Anlässlich des ersten Puzzle up! am 20. Oktober 2016 konfrontierte uns der ETH Professor mit einer ganzen Reihe bedenklicher Entwicklungen, welche die Digitalisierung mitbringen kann.

Die wohl grösste Auswirkung der Digitalisierung ist die unglaublich grosse Menge an Daten, die sie erschafft. Viele Organisationen und Konzerne arbeiten heute intensiv daran, diese Daten mittels intelligenter Vernetzung zu monetarisieren. Die dazu gehörenden Stichworte sind Big Data (Datenmengen, die zu gross und zu unstrukturiert sind, um sie mit herkömmlichen Mitteln zu bearbeiten) und Internet of Things (Vernetzung von einer Vielzahl von intelligenten Geräten).

Daten gelten als das neue Öl oder Gold unserer Zeit. Nach und nach beginnt man sich zu fragen, kommt der gesetzlose wilde Westen zurück? Sind wir in einem „Daten Rush“? Steuern wir bei der immer komplexeren „Bohrung nach Informationen“ auf eine Katastrophe zu, die dieses Mal aber uns Menschen und nicht die Natur bedroht?

Andere Ansätze gehen noch weiter: Können wir das immense angesammelte und maschinenlesbare Wissen Maschinen selber beibringen? Oder noch besser: Die Maschinen bringen es sich selber bei und lernen selbstständig dazu – Stichworte wie Machine Learning, Algorithmen und Deep Learning tauchen immer häufiger auf. So könnten hoch entwickelte künstliche Intelligenzen mehr und mehr Aufgaben vom Menschen übernehmen und diese autonom ausüben, die „Industrie 4.0“ wäre damit bereits wieder überlebt.

Viele versuchen aus den Daten der Vergangenheit noch mehr Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Dieses Verfahren nennt sich „Predictive Analytics“. Doch was, wenn die Datengrundlage mangelhaft oder gar manipuliert ist? Was wenn der Algorithmus Fehler enthält und falsche Vorhersagen (oder Anklagen) erhebt?

Diese Entwicklungen schüren Ängste.

  • Werden wir manipuliert von ein paar wenigen, grossen Tech-Konzernen?
  • Sind wir bald total gläserne Konsumenten, Bürger und Menschen?
  • Was passiert, wenn 50% der Arbeitsplätze, wie wir sie heute kennen, verschwinden?
  • Was passiert, wenn ganze Finanzsysteme kollabieren, weil die geschlossenen und unkontrollierten Algorithmen versagen?
  • Ist es wirklich „smart“ wenn alle Geräte mit dem Internet verbunden sind?
  • Wird uns der freie Wille abhandenkommen, wenn künstliche Intelligenzen uns diktieren, was wir zu tun oder zu lassen haben?
  • Werden künstliche Intelligenzen und Roboter bald „bessere“ Menschen und sich selber reproduzieren? Arbeiten die Roboter noch für uns oder wir für sie?
  • Naht das Ende der uns bekannten Gesellschaft, Demokratie ja sogar Zivilisation?

Leben wir bereits in der „Matrix“?

Nein. Ganz so schlimm wird es (hoffentlich) nicht kommen. Es braucht aus Sicht von Prof. Helbing aber neue Ansätze. Dezentrale, selbst organisierte, offene, transparente. Ein neues Bottom-Up-Denken ist gefragt. Ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit den Daten ist unabdingbar. Dies seitens jedes einzelnen Individuums aber eben auch und besonders von Staaten und Konzernen.

Und es braucht vernetzte Intelligenz, in welcher bessere Lösungen und Innovationen entstehen können, als von einzelnen Personen. Nur mit einer Sharing Economy erreichen wir einen nachhaltigen Umgang und eine bessere Verteilung unserer begrenzten Ressourcen.

Die digitale Transformation ist kein Hype oder Trend, erschaffen in der Marketingabteilung eines grossen IT Konzerns. Der Wandel der Gesellschaft – getrieben von der Digitalisierung – ist in vollem Gange. Und er wird weitergehen, wohl noch schneller und dynamischer.

Wir alle sind aufgefordert mit einer kritischen, aber gesunden Einstellung den Diskurs und die Gesellschaft weiterzuentwickeln. Zu einer hoffentlich prosperierenden Gesellschaft 4.0.

Diskutiert mit! Wie habt ihr das Referat von Prof. Helbing empfunden? Hat es euch ebenfalls zum Nachdenken angeregt? Habt ihr Ideen zur Lösung dieser Herausforderungen? Wie sollte eine Gesellschaft 4.0 aussehen?

Wir freuen uns auf eure Inputs und den Dialog. Schreibt uns auf Twitter unter @puzzleitc oder sagt uns eure Meinung direkt im Kommentarfeld auf dem Blog.

In diesem Sinne, Puzzle up! Hier gibt es einen Videomitschnitt zum Referat.

Die Folien zum Referat von Prof. Helbing können gerne bei Puzzle angefragt werden. 

1 Kommentar

  • Mark Waber, 15. November 2016

    Artikel aus inside-IT: „Schafft Digitalisierung so viele Arbeitsplätze, wie sie vernichtet? Eine Studie aus Deutschland zeichnet ein ziemlich optimistisches Bild.“ http://www.inside-it.ch/articles/45644