Schritt für Schritt zum agilen Erfolg – Laras Trickkiste Teil 2

Lara Eggimann

Wer bereits in grösseren Softwareprojekten mitgearbeitet hat, weiss: Nichts in einem Projekt ist so konstant wie die Veränderung. Agile Methoden wie Scrum bieten die notwendigen Tools, um flexibel auf diese Veränderungen einzugehen.

Nachdem wir im ersten Schritt mit Vorurteilen aufgeräumt haben, kommen wir nun zu Schritt zwei: Vertrauen bilden. Eine vertrauensvolle Kundenbeziehung ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, damit agiles Projektmanagement so richtig gedeiht. Basiert ein Verhältnis auf Misstrauen, führt dies unweigerlich zu Schwierigkeiten. Im schlimmsten Fall sogar zum Scheitern des Projektes. Während klassisches Projektmanagement auf Vorgaben und Kontrolle setzt, vertraut Scrum auf die Eigenverantwortung des Teams, im Sinne des Kunden das Beste herauszuholen. Doch wie kann sich ein „klassicher“ Auftraggeber sicher sein, dass wir wirklich stets in seinem Interesse handeln und uns entsprechend vertrauen?

Transparenz

Die wichtigsten Grundsteine eines vertrauensvollen Verhältnisses sind offene Kommunikation und Transparenz. In einem agilen Vorgehen ist es enorm wichtig, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Der Product Owner / Projektleiter muss über Termin, Kosten und Qualität des Produkts genau Bescheid wissen und dem Auftraggeber regelmässige Statusupdates mitteilen. Transparenz bedeutet auch, dass der Kunde vollen Zugriff auf das Sprint und Product Backlog hat. Es ist also wichtig, dass der Kunde direkt auf alle Tools und Projektunterlagen des Teams zugreifen kann. Unter dem Strich bedeuten offene Kommunikation und Transparenz deshalb sogar, dass ein Projektleiter mehr Kontrolle über ein agiles Projekt hat als über ein klassisches.

Den Kunden einbeziehen

Der Miteinbezug des Kunden sollte soweit gehen, dass er sich als Teil des Teams versteht. In einem unserer Projekte im Bereich Sport ist der Kunde am Sprint Review und Planning mit einem oder mehreren Vertretern anwesend. Während dem Sprint tauscht sich das Team laufend mit dem Kunden aus und stellt allfällige Rückfragen direkt an ihn. So ist einerseits eine enge Zusammenarbeit gewährleistet und andererseits behält der Kunde den Überblick und die Kontrolle über das Projekt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das laufende Priorisieren des Product Backlogs. Der Kunde soll entscheiden, was als nächstes angegangen wird. So wird sichergestellt, dass er am Ende das erhält, was ihm am wichtigsten ist. Zur Klärung und Priorisierung der Aufgaben halten wir im oben erwähnten Projekt ein gemeinsames Backlog Grooming ab.

Es gibt allerdings auch Kunden, die eine solche Rolle nicht einnehmen wollen oder können. In diesem Fall ist zentral, dass ein Product Owner versucht, die Kundeninteressen so gut wie möglich zu vertreten. Auch hier ist ein laufender Austausch mit dem Kunden zentral.

Ein agiles Vorgehen nach Scrum ist rasch erklärt, aber in der Umsetzung nicht immer einfach. Das wichtigste ist, dass beide Parteien ein Verständnis für das Vorgehen und dessen Vorteile entwickeln. Scrum ist kein Allheilmittel, mit dem alle Projekte gelingen. Aber sollte ein Projekt in Schieflage geraten, so kann dies dank der transparenten Kommunikation und der engen Zusammenarbeit früher erkannt werden.

Ein letzter Knackpunkt für erfolgreiches Projektmanagement im Spannungsfeld klassisch/agil sind die vertraglichen Hürden. Im letzten Teil dieser Blogserie werde ich aufzeigen, wie auch diese gemeistert werden können.

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