Hacken für die Energiewende

Pascal Simon

Das Wort „Hacken“ wird im Volksmund oft in einem negativen Sinn verstanden. Doch die diesjährigen Open Energy Data Hackdays haben definitiv nichts mit dem Horrorszenario aus dem Buch “Blackout“ von Marc Elsberg zu tun. Felix, Janiss, Oliver und ich nahmen zusammen mit 40 weiteren Personen am 8./9. April 2016 in Innertkirchen an diesem spannenden Event teil.

Die Idee dahinter

Bei den Hackdays ging es darum, zwei Tage lang diverse Projekte, die sich rund um das Thema Energie drehen, zu bearbeiten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde kamen in sechs Projektgruppen Entwickler, Visionäre, Querdenker, Designer und weitere Interessierte zusammen. Die Resultate der einzelnen Gruppen lassen sich sehen: eine Gruppe visualisierte den zu erwartenden Energiemix im Jahr 2050, eine andere analysierte, welches Kraftwerk welcher Organisation angehört. Eine weitere Gruppe konzipierte rund um die Elektromobilität.

Der Anlass war super organisiert und wir wurden während den beiden Tagen bestens versorgt. Für die Mittag- und Abendessen sowie die Übernachtung waren wir zu Gast im Hotel-Restaurant Urweider.

Unser Projekt – Atum

Schon seit längerer Zeit interessiere ich mich für alternative Energieerzeugung, wie sie beispielsweise über Photovoltaikanlagen (PVA) erfolgt. Dank meinem Background in Elektrotechnik konnte ich letztes Jahr eine kleine Inselanlage bei mir Zuhause realisieren. Ein Projekt, welches mir sehr am Herzen liegt.

Auch und gerade wegen meiner PVA-Anlage überprüfe ich täglich den Wetterbericht, um zu sehen, wie sich das lokale Wetter in den nächsten Tagen entwickelt. Dabei kam mir die Idee für unser Projekt: lässt sich auf Basis des Wetterberichts eine Vorhersage bezüglich des zu erwartenden Energieertrags der eigenen PVA erstellen?

Sofort machte ich mich auf die Suche nach einem Wetterservice, der uns die erwartete Anzahl Sonnenstunden pro Ort liefern kann. Nachdem ich dem Dienst Meteoblue die Idee für unser Projekt schilderte, erklärten sie sich bereit das Vorhaben zu unterstützen und stellten uns kostenlos eine Schnittstelle zur Verfügung. Diese übertraf unsere Erwartungen. Über diese API Schnittstelle ist es möglich, die erwartete Anzahl Minuten Sonne pro Stunde abzurufen und dies für jede beliebige Ortschaft weltweit. Damit war ein wichtiges Kriterium für unser Projekt erfüllt und wir konnten uns weiter mit den Vorbereitungsarbeiten wie der Konzeption und dem Setup der Entwicklungsumgebung beschäftigen.

Der Aufwand für die Vorbereitungsarbeiten hatte sich gelohnt, denn wir konnten am Hackday sofort mit der Entwicklung der Applikation beginnen. Dabei setzten wir auf einen modernen Technologie-Stack mit Ruby on Rails 5 als Backend sowie EmberJS als Frontend.

Neben den bereits erwähnten Puzzlern gesellte sich Benjamin Schroeteler spontan zu unserem Team. Er befasste sich hauptsächlich mit den Formeln, die für die Berechnung des maximal möglichen Ertrages pro Stunde benötigt werden. Obwohl wir im Vorfeld viel Arbeit in diese Formeln gesteckt hatten und sogar Hilfe von einem Mathematikdozenten der Fachhochschule bekamen, stellten sich diese Berechnungen als grosse Herausforderung dar. Der Ertrag ist nämlich vom aktuellen Sonnenstand und somit vom Ort, Zeitpunkt und Ausrichtung der Anlage abhängig.

Wir konnten in den zwei Tagen einiges umsetzen, jedoch wurde das Projekt nicht ganz fertig. Als persönliche Herausforderung sah ich das Hin- und Her-Wechseln zwischen Projektleitung, Koordinator und dem Entwickeln selber. Die beiden ersten Punkte waren für den Erfolg des Projektes entscheidend, jedoch konnte ich selber weniger zum Code beitragen als erwartet. Für alle Teilnehmer verging die Zeit wie im Flug. Die Zusammenarbeit hat Spass gemacht und jeder von uns konnte viel Neues lernen oder bereits vorhandenes Wissen und Fähigkeiten vertiefen.

atum_ui

So soll das Interface der Applikation Atum aussehen. 

Energiewende durch Open Source

Unser Projekt ist sicher ein kleiner Schritt in Richtung Energiewende. Ich bin überzeugt, dass offene Schnittstellen, OpenData und auch Open Source Softwarelösungen eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen werden.

Herzlichen Dank an unser Team für den Einsatz, an Puzzle für die zur Verfügung gestellte Zeit, Meteoblue für die Wetter-API und natürlich auch Opendata sowie den weiteren Organisatoren/Sponsoren.

Weiterführende Links

Pascal Simon auf Github: https://github.com/psunix/atum

Link zu den Hackdays: http://opendata.ch/2016/02/8-9-april-2016-swiss-open-energy-data-hackdays/

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