Kollaborative Software-Entwicklung statt Near- und Offshoring

André Kunz

Als Anbieter von massgeschneiderten Software-Lösungen wird Puzzle immer wieder mit dem Thema Near- und Offshoring konfrontiert. Kollaborative Software-Entwicklung scheint uns aber die nachhaltigere Lösung als Antwort auf den zunehmenden Preisdruck in der Branche. Am Swiss ICT Symposium durfte ich die Idee dahinter vorstellen.

Das Swiss ICT Symposium bietet einen Mix von Referenten aus Wirtschaft, Forschung, Politik und Gesellschaft. Neben den inspirierenden Keynotes u.a. von Sascha Lobo, Sven Gábor Jánszky und Manfred Spitzer durfte ich mein Wissen im Rahmen eines Input-Referates zum Themenblock „Die Schweiz global“ weitergeben.

Nachhaltigkeit von Near- und Offshoring?

Puzzle hat bisher keine praktischen Erfahrungen mit Near- und Offshoring gemacht. Nach diversen Angeboten und damit verbundenen Gesprächen stellt sich die Frage, ob für unsere Grösse der Projekte sowie der gelebten Kundennähe und der agilen Vorgehensweise das Shoring-Modell gut geeignet ist. Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit des Modells: Wenn die Preise beim Nearshoring-Partner steigen, müssen wir uns dann nach einem neuen Partner umsehen? Wo endet die Spirale und was bedeutet die Auslagerung von Entwicklungs-Kompetenzen für die Wirtschaft und die Bildung in der Schweiz?

Kollaborative Software-Entwicklung

In der kollaborativen Software-Entwicklung arbeiten private Entwickler und Teams von mehreren Anbietern verteilt an einer gemeinsamen, offenen Code-Basis. Die Entwickler können natürlich auch in Near- und Offshoringgebieten tätig sein. Im Gegensatz zum normalen Auftragsverhältnis haben sie hier jedoch einen eigenen Antrieb, die Software weiter zu entwickeln. Grosse, etablierte Projekte sind Linux, OpenStack, Mozilla Firefox und LibreOffice. Die Vorteile kollaborativer Software-Entwicklung sprechen dafür, das Modell auch für Fachapplikationen anzuwenden.

Geschäftsmodelle, Strategien und Kontrollmechanismen

Es bieten sich zahlreiche Modelle an, wie mit quelloffener Software Geld verdient werden kann. Ob und wie stark die Kontrolle über das Projekt aus der Hand gegeben wird, fängt bereits mit der Wahl der Open Source Lizenz an. Angefangen beim Copyleft über die Möglichkeiten einer Dual-Lizenzierung bis hin zum Aufbau von Marken, welche aus kommunikativer Sicht ein Unterscheidungsmerkmal bieten, gibt es eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten für ein Open Source Community-Projekt. Aus strategischer Sicht gibt es beim Aufbau der Community weitere Steuerungsmechanismen und Kontrollpunkte, welche angewendet werden können.

Fazit

Der oft zitierte digitale Wandel, neue disruptive Geschäftsmodelle und nicht zuletzt neue Formen der Zusammenarbeit stellen unsere Wirtschaft und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Freie und Open Source Software trifft den Zeitgeist der Sharing- sowie Open Talent Economy und hat das disruptive Potenzial, um von proprietären Software-Anbietern dominierte Märkte zu erobern. Unternehmen und auch die öffentliche Verwaltung brauchen nun Strategien, wie quelloffene Software und damit verbundene Entwicklungstechniken optimal in die bestehenden Prozesse integriert werden können. Bei Fragen dazu oder zu den Slides stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

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