Kollaborative Software-Entwicklung auch im E-Government?

André Kunz

In der Fachzeitschrift «eGov Präsenz» durften wir das innovative Modell von Open Source Gemeinschaftslösungen und die Idee von kollaborativer Software-Entwicklung vorstellen. Die wichtigsten Inhalte haben wir als Abstract zusammengefasst.

IT-Projekte des Bundes liefern immer wieder negative Schlagzeilen. Michel Huissoud, Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK), hat an der IT-Beschaffungskonferenz 2014 erste Lehren aus der Prüfung von IT-Schlüsselprojekten des Bundes vorgestellt. Ein Grund für die teilweise massiven Budgetüberschreitungen bei den Projekten sieht die EFK im starken Föderalismus.

Open Source Gemeinschaftslösungen als Alternative

Eine Alternative bietet der Einsatz von Open Source Gemeinschaftslösungen: Quelloffene Software ermöglicht es Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die von allen genutzt und weiterentwickelt werden können. Und die Idee entspricht dem E-Government-Grundsatz «Einmal entwickeln – mehrmals anwenden».

Open Source Lösungen eignen sich besonders für Individualentwicklungen, deren Anwenderinnen und Anwender grösstenteils gleiche oder ähnliche Anforderungen haben. Es ist aber auch möglich, bewusst Alternativen zu proprietären, marktbeherrschenden Produkten aufzubauen. Der offene Ansatz ebnet den Weg zu neuen Geschäftsmodellen, zu neuen Formen der Finanzierung und dank der Kollaboration verschiedenster Anspruchsgruppen auch zu innovativen Lösungen.

Kollaborative Softwareentwicklung im Trend

Bei der kollaborativen Softwareentwicklung arbeiten Einzelpersonen und Firmen – oftmals Wettbewerber – an einer gemeinsamen, offenen Codebasis. Berühmtestes Beispiel dafür sind die Projekte rund um das offene Betriebssystem Linux. Die Vorteile, die aus der kollaborativen Softwareentwicklung resultieren, sind vielfältig. Dies zeigt eine Studie der Linux Foundation. Die befragten IT-Führungskräfte sehen vor allem die kürzeren Entwicklungszyklen bzw. die schnellere Verfügbarkeit eines Produkts am Markt, tiefere Entwicklungskosten und eine bessere Qualität der Lösung als Pluspunkte.

Anwender-Communities für die öffentliche Verwaltung

Das gemeinsame Entwickeln von Software beschäftigt nicht nur grosse internationale Technologieunternehmen. So hat die Schweizerische Informatikkonferenz (SIK) erkannt, dass Softwareanwendungen für die öffentliche Hand oftmals mehrfach mit sehr ähnlichem Funktionsumfang entwickelt werden. Die SIK will deshalb ein «Koordinationsnetzwerk IT für Schweizer Behörden» schaffen, um bei der Entwicklung und Wartung von Fachanwendungen Synergien zu nutzen. Ähnliche Ziele verfolgt das Projekt «eOperations Schweiz», ein priorisiertes Vorhaben der E-Government-Strategie Schweiz.

Die Vorteile von Open Source

Open-Source-Software ist nicht per se besser oder schlechter als proprietäre Lösungen. Eine gutes Open Source Projekt zeichnet sich aber dadurch aus, dass die Architektur auf die Wiederverwendbarkeit der Software ausgerichtet ist, offene Standards und Richtlinien einhält und der Quellcode gut dokumentiert ist. Der offene Quellcode bietet die nötige Transparenz, um die Qualität und Sicherheit einer Lösung zu beurteilen und beispielsweise in einem Dialogverfahren die Kosten für Weiterentwicklungen von mehreren Anbietern adäquat vergleichen zu können.

Gemeinschaftslösungen mit einer einheitlichen Codebasis bedeuten vereinheitlichte Schnittstellen für Drittsysteme und die Unabhängigkeit von einem Anbieter. Durch das Wegfallen der Nutzungsbarrieren am Source-Code entsteht eine echte Chancengleichheit für die Anbieter und der Wettbewerb wird gefördert.

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